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Programm
Von Barrikaden und Parlamenten. Wilhelm Liebknechts Ideen für die Demokratie
Auf einen Drink mit Wilhelm! Sonderausstellung im Museum für Gießen (29. Mai 2026 bis 31. Januar 2027)Die Sonderausstellung im Museum für Gießen rückt Wilhelm Liebknecht als Persönlichkeit in den Fokus und setzt seine politischen und gesellschaftlichen Ideen in einen aktuellen Kontext. Die Ausstellung orientiert sich dabei an Liebknechts Aktivismus: Sie ist partizipativ und interaktiv und reiht sich in die breit gefächerten, niedrigschwelligen Angebote des Liebknecht-Jahres ein.
Auf einen Drink mit Wilhelm! Am Donnerstag, 22. Oktober, laden wir ab 18.00 Uhr herzlich dazu ein, das Museum für Gießen aus einer anderen Perspektive zu entdecken: Musik, Kreativangebote, Rundgänge und Cocktails warten auf euch!
Museumsleitung: Katharina Weick-Joch Kuratorinnen: Linda Heintze und Laura Grimm Texte und Lektorat: Laura Grimm, Linda Heintze, Katharina Weick-Joch Raumgestaltung und Grafik: Studio SUED Medienproduktion: Laura Grimm, Jean-Noël Lenhard Foliendruck und Werbemittel: Postermaxx Museumsteam: Mario Jorge Alves, Jana Bille, Amelie Fiedler, Andreas Götz, Laura Grimm, Anastasia Heller, Jean-Noël Lenhard, Linn Mertgen, Johanna Munzel, Julia Schopferer, Michael Simon, Katharina Weick-Joch, Lara Wichterle Aufsichtsdienst: Verein Ehrenamt e.V.
Leihgeber*innen und lizenzgebende Einrichtungen: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig | Stadtarchiv Gießen | Friedrich-Ebert-Stiftung / Archiv der sozialen Demokratie | International Institute of Social History (IISH), Amsterdam | Bundesarchiv | Universitätsarchiv Gießen / Bildarchiv Universität Gießen | Museum der Stadt Butzbach / Stadtarchiv Butzbach | Hessisches Staatsarchiv Darmstadt | Stadtarchiv Darmstadt | Deutsches Historisches Museum / bpk-Bildagentur | Hans Jürgen Below / Corps Hasso-Nassovia in Marburg | Gothaer Tivoli
Unterstützer*innen: Bettina Brockmeyer, Professorin für Neuere und Neueste Geschichte, und Studierende des Seminars „Demokratie made in Gießen: Wilhelm Liebknecht“, Justus-Liebig-Universität Gießen; Benjamin Grimm-Lebsanft; Elisabeth Harder, Museumsleitung Museum Butzbach; Christian Heuer, Professor für Didaktik der Geschichte, Justus-Liebig-Universität Gießen; Ben Janssen, Schauspieler und Sprecher; Stefan Neubacher und das Liebknecht200-Team; Christian Pöpken, Leiter Stadtarchiv Gießen; Volker Seidler, CreaTonstudio; Stadttheater Gießen
Fit für den Auszug
gärtnerpflichten (Interdisziplinäre Kunstbande)Gerade in politisch bewegten Zeiten lohnt es sich, an Menschen wie Wilhelm Liebknecht zu erinnern – nicht als Denkmal, sondern als Herausforderung. Im Jubiläumsjahr haben gärtnerpflichten den historischen und vorbildlich widerständigen Auszug der Gießener Studierenden nach Staufenberg aufgegriffen und ins Heute transformiert. Fünf Tage wurde mit Willi zieht aus und vielen Kartons eine Basis für die Protest-Zukunft Gießens gelegt. Diese soll nun dynamisch fortgeführt werden: Wir machen uns fit für den Auszug! Mit Energie, der revolutionären Kraft des Humors, verschiedenen Karton-Sportarten und gemeinsamer Ertüchtigung. Wofür würden wir heute gemeinsam kämpfen? Welche Überzeugung gibt Anlass, uns zu bewegen? Über diese Fragen kommt man auf einem revolutionären Trimm-Dich-Pfad am besten ins Gespräch.
Die interdisziplinäre Kunstbande gärtnerpflichten – bestehend aus Oliver Behnecke (Theaterwissenschaftler, Kulturplaner), Ingke Günther (Bildende Künstlerin), Leander Ripchinsky (Performancekünstler), Esther Steinbrecher (Regisseurin, Texterin), Jörg Wagner (Bildender Künstler), Manuela Weichenrieder (Theaterwissenschaftlerin, Musikerin) – verbindet ihre Kenntnisse aus Bildender und darstellender Kunst. gärtnerpflichten gestalten Situationen, initiieren Dialoge und bündeln Erkenntnisse in ortsspezifischen Formaten zu Themen wie Lebensräumen, Dingkulturen und Utopien. Ihre Konzepte verstehen sich als kontextbedingte künstlerische Praxis im gesellschaftlichen Raum und werden kollektiv unter Anwendung der unterschiedlichen Expertisen entwickelt. Sie sind Gründer*innen des Gießkannenmuseums.
Trotz Dem – warum die Welt viel besser ist, was wir dafür können und warum der erste Teil dieses Satzes Sie eventuell wütend macht.
Dominik Breuer/Gunnar Seidel (Künstlerische Leiter des Brachland-Ensembles)Die Welt rüstet auf. Populismus spaltet – nicht zuletzt dank digitaler Vernetzung – in einer Eskalation der Dreistigkeit zunehmend Gesellschaften. Die gute Nachricht: In den meisten Bereichen stehen wir viel besser da, als es sich für uns anfühlt. Die schlechte Nachricht: Diese trügerischen Gefühle schaffen aktuell ebenfalls Fakten. Und nicht zu unserem Vorteil. Und trotzdem: Die Chancen für eine pluralistische Gesellschaft stehen (nach wie vor) sehr viel besser, als es sich anfühlt.
In diesem szenischen Impuls betrachten wir (überraschende) Statistiken zu Frieden, bewaffnete Konflikte und Krieg und sprechen mit Expert*innen, die verschiedene Perspektiven auf das Thema Frieden mitbringen.
Was es braucht, ist eine partizipative (R)Evolution, eine gemeinsame positive Vision. Es braucht praktischen Possibilismus. Einen gemeinsamen Ritt durch die Welt, wie sie (nicht) ist und wie sie (noch) besser sein könnte.
Das Brachland-Ensemble (BE) realisiert seit 2011 Projekte zwischen zeitgenössischem Theater und politischer Bildung und zeichnet sich durch die Vermischung von Schauspiel, Moderation, Performance, Medien sowie partizipativen Ansätzen aus. Neben künstlerischen Projekten liegt der Arbeitsschwerpunkt in der „aufsuchenden politischen Bildung“ und der Umsetzung von kreativen, vernetzenden Veranstaltungen.
Das Ensemble wird von Dominik Breuer (Brüssel/Köln) und Gunnar Seidel (Nürnberg) geleitet und arbeitet projektbezogen in unterschiedlichen Konstellationen mit Schwerpunkt Nordrhein-Westfalen (NRW) und Bayern.
Wir bespielen die brachliegenden Räume, in denen alles möglich ist. Die Räume zwischen Theater und Bildung, zwischen Dokumentation und Fantasie. Was wir machen, sind ehrliche Fiktionen.
Das BE kooperiert seit 2017 mit der Landeszentrale für politische Bildung NRW, den Demokratie-Werkstätten NRW sowie weiteren öffentlichen Institutionen.
Jede Revolution beginnt mit einem Auflauf – eine künstlerische Kochintervention
Eleonora Herder/Nepomuck Bendukat (andpartnersincrime)/Hugh Aldersson (Food that's left)Wo bleibt eigentlich der Aufstand aus der Küche? Wir planen eine gemeinsame Aktion im öffentlichen Raum: An einer großen Tafel werden zuvor gerettete Lebensmittel verarbeitet, gekocht und anschließend zusammen gegessen. Während wir zusammen Gemüse putzen, berichten wir über Konzepte solidarischer Gemeinschaftsverpflegung aus der Wirkungszeit von Karl Liebknecht, in der die kommunal-solidarische Organisierung ihre Hochphase hatte, bis sie vom Faschismus verboten wurde. Historische Modelle solidarischer Gemeinschaftsverpflegung werden mit aktuellen Fragen von Ernährungsarmut, sozialer Ungleichheit und Klimagerechtigkeit verschränkt. Im Theater aus der Küche im öffentlichen Raum erproben wir performativ, wie kollektive Sorgearbeit gesellschaftlich neu verteilt, sichtbar gemacht und als Grundlage einer gerechteren Welt gedacht werden kann.
andpartnersincrime ist ein Zusammenschluss der Performancekünstler*innen Eleonora L. Herder und Nepomuck Bendukat mit Sitz in Frankfurt und Komplizinnen in Berlin, Marseille und Barcelona. Wir arbeiten kollektiv und stellen für jede Produktion neue Teams zusammen. Dabei kollaborieren wir regelmäßig mit Personen aus politischem Aktivismus und theaterfernen Kontexten. Allen Arbeiten gemeinsam sind investigative Recherchen, Feldstudien und Interviews mit Aktivist*innen, die zu Kompliz*innen im künstlerischen Prozess werden. Unsere Herangehensweise ist (queer)feministisch, emanzipativ und basiert auf der Überzeugung, dass Theater gesellschaftliche und politische Veränderungen anstoßen kann.
Betzavta – miteinander demokratisch handeln
Danny Zuber (Bildungsreferent und Betzavta-Trainer)/Sophia Brostean-Kaiser (Betzavta-Trainerin und freie Referentin)Wir verstehen Demokratie als Haltung, die unseren Alltag prägt und sich in unserem täglichen Miteinander zeigt – sowohl im Privaten als auch im Berufsalltag. In unseren Aktivitäten machen wir demokratische Prinzipien erfahrbar und schaffen Situationen, in denen die Gruppe sich aktiv einbringen und Aushandlungsprozesse gestalten kann. So entstehen Räume, die dazu anregen, das eigene Demokratieverständnis zu reflektieren und weiterzuentwickeln.
„Betzavta“ ist hebräisch und bedeutet „Miteinander“. Entwickelt wurde die Methode am „Adam Institute for Democracy and Peace“ in Jerusalem.
Danny Zuber
Ich arbeite seit einigen Jahren als Referent für gesellschaftspolitische Jugendbildung. Dabei beschäftige ich mich intensiv mit den Themenkomplexen Rechtsextremismus, Nationalsozialismus, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und Demokratiebildung. Seit meiner ersten Erfahrung mit Betzavta liegt mir diese am Herzen. Daher habe ich die Ausbildung zum Betzavta-Trainer am Gustav Stresemann Institut in Bad Bevensen absolviert und arbeite seitdem als freier Trainer.
Sophia Brostean-Kaiser
Ich bringe langjährige Erfahrung im Bereich der Menschenrechts- und Antidiskriminierungsarbeit mit und habe mit vielen verschiedenen Zielgruppen gearbeitet. Als ich das erste Mal ein Betzavta Seminar als Teilnehmerin erlebt habe, war es für mich sofort die perfekte Ergänzung zu diesen Themen. Demokratie und ein demokratisches Miteinander erfahr- und erlebbar zu machen, ist unglaublich eindrücklich und wertvoll. Ich bin zertifizierte Betzavta-Trainerin und arbeite als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Memorium Nürnberger Prozesse.
Political Gesture
Lucía Nacht (choreographer and performance artist)Political Gesture is a participatory performance where, through a playful format, the audience becomes protagonists in the democratic creation of a common space. Multiple identities intertwine to form a collective body, finding new ways of coexistence: What kind of world do we want to inhabit? What would we like to transform? How do we self-organize to move from desire to action?
Exercises in democratic participation, decision-making, and utopias will unfold to promote political imagination in search of what transforms us as a society. The political potential lies in how to move and break pre-established structures without falling into binary oppositions, partisan identifications, ideologies, or dogmas, opening new spaces for what each person considers political.
Lucía Nacht is an Argentine choreographer and performance artist exploring body, memory, territory, politics, and community through participatory experiences that build a democratic and supportive society. She developed the territory-based performance Monuments in Motion, created Political Gesture, and coordinates art residencies on collective practices and social transformation.
She presented her work across Latin America, Europe, and Asia, in festivals like Festival Internacional de Buenos Aires (FIBA), Bienal Sesc de Dança, and Biennial of Contemporary Arts (BoCA). She received awards from the National Theater Institute and MuseusBA, with support from the National Arts Fund and Museum of Memory and Human Rights. She holds an MA in Performing Studies from Universidad de Castilla – La Mancha (UCLM) / Reina Sofía Museum and is pursuing an MA in Choreography and Performance at Justus-Liebig-Universität, Giessen.
Austausch und Diskurs: Frieden
Fünf parallele Gespräche widmen sich jeweils einem Oberthema. Jedes dieser Gespräche beginnt mit einem kurzen Input einer Expert*in, anschließend gibt es Raum für Fragen und offenen Austausch. Eine Moderation begleitet die Gespräche. Insgesamt finden drei Gesprächsrunden statt, eine Runde dauert 25 Minuten. So besteht die Möglichkeit, sich bis zu drei Oberthemen zuzuwenden. Die Expert*innen setzen in jeder Runde unterschiedliche Schwerpunkte, sodass es sich ebenso lohnt, bei einem Oberthema zu bleiben.
Religionen im Spannungsfeld zwischen Frieden und Konflikt
Dr. Gabriel Brand (Theologe, Pfarrer)
Der Sozialrevolutionär Wilhelm Liebknecht ist nicht dafür bekannt, der Religion und dem Glauben nahegestanden zu haben. Und doch ist es gerade im Jubiläumsjahr „Liebknecht200“ mehr als lohnenswert, die Überzeugungen des Gründervaters der Sozialdemokratie und religiöse Lebensdeutungen miteinander ins Gespräch zu bringen. Das geht weit über sein bekanntes Schlagwort „Wissen ist Macht – Macht ist Wissen“ hinaus. Es geht um ein tiefes Verstehen menschlicher Lebenszusammenhänge und Bedingungen gemeinsamen Lebens in einer pluralen Gesellschaft.
Dr. Gabriel Brand hat evangelische Theologie und Judaistik in Jena, Tübingen, Jerusalem und Marburg studiert und ist Pfarrer für Gesellschaftliche Verantwortung im Dekanat Gießen und Stadtkirchenarbeit in der Philippusgemeinde Gießen. Zu seinen Aufgaben gehören der Kontakt mit Vertreterinnen und Vertreterin aus Politik und Gesellschaft, Kunst und Kultur ebenso wie der Austausch und das Gespräch mit Vertreterinnen und Vertretern anderer Religionen in Gießen. Gerade dabei wird immer wieder deutlich, welche Rolle Religionen und religiöse Grundüberzeugungen für den sozialen und gesellschaftlichen Frieden spielen und inwieweit dabei auch kulturelle, religiöse und hermeneutische Konfliktlinien sichtbar werden.
Eine Biografie als Auftrag
Marianne Liebknecht (Großenkelin von Wilhelm Liebknecht, Künstlerin, Autorin und Friedensaktivistin)
Mein Urgroßvater Wilhelm war ein sehr mutiger Mensch, der sich zeitlebens trotz Repressionen und Gefängnisstrafen dafür eingesetzt hat, dass jeder Mensch ein reichhaltiges, gutes Leben in Frieden führen kann. Dazu gehören Bildung und demokratische Teilhabe an der Gestaltung der Gesellschaft. Diese Werte sind noch immer und gerade heute wichtig, da Aufrüstung und Militarisierung die Welt beherrschen und die Menschen und die Natur bedrohen.
Marianne Liebknecht ist die Großenkelin von Wilhelm Liebknecht und Enkelin von Karl Liebknecht; sie ist Tänzerin und Choreographin, Licht-Künstlerin, Autorin und Friedensaktivistin;
Marianne Liebknecht wurde in Frankreich geboren, studierte Tanz in Wien und lebte siebzehn Jahre lang mit ihrer Familie in den USA; sie ist Mutter von vier Kindern und ein einfaches Leben in Harmonie mit der Natur ist ihr wichtig; sie hat ihren Lebensmittelpunkt in Wien und Niederösterreich, wo sie derzeit ein Perma-Kulturprojekt initiiert.
Zwischenstaatlicher Frieden heute
Dr. Stefan Kroll (Sozialwissenschaftler)
Ist Frieden noch das Ziel und wenn ja, welcher? Dr. Stefan Kroll spricht darüber, wie Institutionen Gewalt in den internationalen Beziehungen einhegen können und wie ein nachhaltiger Frieden entwickelt werden kann.
Dr. Stefan Kroll ist Leiter der Abteilung für Wissenschaftskommunikation und Senior Researcher am Peace Research Institute Frankfurt (PRIF) – Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen im Bereich interdisziplinären Normen- und Institutionenforschung, des Wissenstransfers und der politischen Bildung für Themen der Friedens- und Konfliktforschung.
Humanitäre Hilfe, Einblicke in die Praxis
Dr. Ulrike Kilic (Kinderärztin, ehrenamtliche Mitarbeiterin von Ärzte ohne Grenzen e.V.)
Wilhelm Liebknecht verstand humanitäre Hilfe nicht als bloße Wohltätigkeit, wohlmeinende Spenden sollten nicht dazu dienen, von den Ursachen der Ausbeutung abzulenken. Seine Vision war die von einer Umgestaltung der Gesellschaft und die Beseitigung der Klassenherrschaft. Dies kann man auch in Bezug auf eine moderne Position der humanitären Hilfe diskutieren, wobei ein wesentlicher Unterschied ist, dass z.B. Ärzte ohne Grenzen e.V. sich auf die Grundprinzipien Neutralität, Unparteilichkeit und Unabhängigkeit beruft.
Dr. Ulrike Kilic
lch bin in Frankfurt geboren und in Bad Nauheim zur Schule gegangen, nach dem Medizinstudium in Jena habe ich nach dem Berufsstart in Deutschland rasch meinen Traum umgesetzt, für Ärzte ohne Grenzen e.V. als Ärztin in Krisengebieten zu arbeiten. Meine Einsätze führten mich 2010 zunächst nach Indien. Nachdem ich 2014 die Ausbildung zur Fachärztin in Gießen abgeschlossen hatte, ging ich im selben Jahr nach Haiti in ein Projekt mit Neonatologie (medizinische Versorgung, Pflege und Behandlung von Frühgeborenen sowie kranken Neugeborenen in ihren ersten Lebenswochen) und schließlich nach Zentralafrika in den Tschad, wo ich ein Projekt mit dem Schwerpunkt Unterernährung bei Kindern betreute. Seit einigen Jahren arbeite ich nun an der Uniklinik Gießen als Funktionsoberärztin in der Familienpsychosomatik.
Wehrhafte Demokratie, kriegstüchtige Bundeswehr?
Anmerkungen zur Geschichte einer Debatte
Timo Feilen (Politikwissenschaftler)
Die Beschäftigung mit der Bundeswehr ist auch eine Beschäftigung mit der Geschichte der Sozialdemokratie: Schon früh entstand das Ideal des „Staatsbürgers in Uniform“ als Gegenentwurf zum traditionellen Militär. Heute zeigt sich die Spannung erneut: Ein SPD-Kanzler hat mit der „Zeitenwende“ die Bundeswehr gestärkt, während die sozialdemokratische Debatte über Waffenhilfe für die Ukraine weiterhin von einem historisch kritischen Verhältnis zum Militär geprägt ist.
Timo Feilen ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Militärgeschichte/Kulturgeschichte der Gewalt an der Universität Potsdam und Koordinator der Forschungsgruppe „Militärische Gewaltkulturen“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Zuvor war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Passau sowie an einem EU-geförderten Forschungsprojekt tätig. Er studierte Kulturwissenschaft an der Universität Koblenz-Landau und Medienkultur- und Kunsttheorien an der Kunstuniversität Linz. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen die Geschichte der Bundeswehr, die Innere Führung, Ideengeschichte und Demokratietheorie. Er forscht insbesondere zur politischen und intellektuellen Gründungsgeschichte der Bundeswehr sowie zu Fragen von Legitimität, Gewalt und demokratischer Ordnung. Feilen ist Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen und regelmäßig als Referent zu sicherheits-, militär- und demokratietheoretischen Themen tätig.
Wem gehört der Raum?
Theaterpädagogischer Workshop Irfan Taufik (Künstlerischer Leiter des Theaterlabors Nürnberg und des Vereins thevo Theater)Der Workshop „Wem gehört der Raum?“ verbindet politische Bildung mit künstlerischer Praxis. Ausgehend vom Begriff Frieden erforschen die Teilnehmenden den öffentlichen Raum als Ort von Begegnung, Sichtbarkeit, gesellschaftlicher Aushandlung und Teilhabe. Mit Mitteln der Theaterpädagogik – darunter Bewegung, Stimme, Standbilder, Mini-Improvisationen und kleine Interventionen – werden soziale und politische Fragestellungen nicht nur thematisiert, sondern unmittelbar erfahrbar gemacht. Das Angebot ist sprachbarrierearm, niedrigschwellig und generationenübergreifend konzipiert und richtet sich an vielfältige Teilnehmendengruppen. Theatererfahrung ist nicht erforderlich.
Irfan Taufik ist Schauspieler, Regisseur und Theaterpädagoge in Nürnberg. Geboren 1975 im Nordirak, stand er bereits mit neun Jahren auf der Bühne und arbeitete später auch für Film und Fernsehen. Seit 1997 lebt er in Nürnberg; von 2000 bis 2004 absolvierte er seine Schauspielausbildung in München und Nürnberg und schloss sie als Diplom-Schauspieler ab. 2002 gründete er das Theaterlabor Nürnberg, das er seither künstlerisch leitet. Seine Arbeit verbindet Schauspiel, Regie und Theaterpädagogik mit interkulturellen, inklusiven und partizipativen Ansätzen. Er entwickelt Projekte mit Jugendlichen und Erwachsenen und engagiert sich für demokratische, vielfältige und zugängliche Kulturarbeit.
Welcher Frieden?
Jonas Harksen (Sounddesigner)Mit einem Fragenkatalog machen wir uns auf in die Gießener Stadtgesellschaft und stellen Fragen nach positivem und negativem Frieden: Welcher politische Konflikt hat dein Leben beeinflusst? Wo spürst du diesen Konflikt in deinem Leben, wo beeinflusst er dich? Was fehlt deiner Meinung nach, um Frieden (wieder) herzustellen? Die Ergebnisse der Recherche sind in dem Audiowalk während des Festigress zu hören. In Interviews und Soundcollagen erkundet das Format Subjektivität im geopolitischen Kontext und stellt nicht die Frage, „ob“, sondern „welcher Frieden?“
Jonas Harksen studierte Klavier in Detmold und Köln sowie Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen. Als Musiker und Sounddesigner arbeitet er in den freien darstellenden Künsten sowie in Institutionen der Kunst- und Kulturszene wie dem LOFFT Leipzig und dem Nassauischen Kunstverein.
Hannah Helbig studiert Angewandte Theaterwissenschaft sowie Philosophie, Soziologie und Politikwissenschaft an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Sie entwickelt und performt eigene Theaterarbeiten und trat damit u.a. beim Theaterfestival Körber Studio Junge Regie, im Ballhaus Ost sowie an den Landungsbrücken Frankfurt auf.
kehrarbeit
annu mensen (Choreograph*in)an alle reste!
an das verworfene, ekelige, übersehene,
an alles unbestimmte, ausrangierte, liegengebliebene, ignorierte,
aus allen ecken und rändern.
kommt zusammen,
bildet haufen und wollmäuse.
bringt mit, was an euch klebt.
schließt euch der bewegung an!
treffpunkt: drinnen. bitte nicht sauber machen.
annu mensen arbeitet in den Bereichen Performance, Choreografie, Installation sowie Tanz- und Bewegungspädagogik und schreibt Audiodeskriptionen für Tanz. annus künstlerische Arbeit beschäftigt sich mit poetischen und politischen Dimensionen der Beziehungen zwischen menschlichen, nicht-menschlichen und unsichtbaren Körpern und ist geleitet von alltäglichen Zuständen und seltsamen Realitäten. Dabei spielen kollektive Prozesse und Kollaborationen eine zentrale Rolle. Nach einem Bachelor in Theaterwissenschaft an der Universität Leipzig und einem Studium des Javanischen Tanzes am Indonesian Institute of Arts in Yogyakarta absolvierte annu eine Tanzpädagogik-Ausbildung in Berlin und schloss den Master Choreografie und Performance an der Justus-Liebig-Universität Gießen ab. Kürzlich wurde annus jüngste Arbeit „SOLES –an undercover song“ im Künstler*innenhaus Mousonturm in Frankfurt gezeigt.
Wilhelm Liebknecht, Gemeinwohlökonom.
Tobias Daur (Transformationsbegleiter und GWÖ-Berater, Gemeinwohl-Ökonomie Deutschland e.V.)Soziale Gerechtigkeit als eine der tragenden Säulen einer Ökonomie, die das gute Leben für alle zum Ziel hat – Wilhelm Liebknecht hätte der Ansatz der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) gefallen. Wir lernen die Eckpunkte der GWÖ kennen, die mit ihrem ethischen Wirtschaftsverständnis für systemische Lösungen der Folgen des Kapitalismus eintritt und sie in der Praxis erprobt. Ungleichheit und Privilegien, Ressourcenknappheit und materialistisch beschränkte Wohlstandsmodelle treffen auf einen Vorschlag, der auf Menschenwürde, ökologischer Verantwortung, Solidarität, demokratischer Mitbestimmung und eben auch sozialer Gerechtigkeit beruht. Diese Themen haben schon Wilhelm Liebknecht beschäftigt.
Die Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) ist ein innovatives, nachhaltiges Wirtschaftsmodell mit dem Ziel einer ethischen Wirtschaftskultur. 2010 in Wien entstanden, umfasst sie heute als Bewegung weltweit 11.000 Unterstützer:innen, rund 4.500 Mitglieder in über 170 Regionalgruppen, über 1400 bilanzierte Unternehmen und andere Organisationen in 33 Ländern.
Tobias Daur ist Berater für Gemeinwohl-Ökonomie, GWÖ-Bildungstrainer, Transformationsbegleiter und Hochschul-Dozent. Als Impulsgeber für sozial-ökologische Transitionsprozesse liebt er es, den Wandel zu einer zukunftsfähigen Wirtschafts- und Lebensweise mitzugestalten. Auf Unternehmensebene, in der Politikberatung, bei Bildungsprojekten und mit Kommunen.
Bernadette La Hengst
Konzert am FreitagBernadette La Hengst ist eine Berliner Musikerin und Songschreiberin, die seit über 30 Jahren immer wieder neu begeistert. Bei ihren energievollen Live-Auftritten reißt sie jedes Publikum mit. Mühelos schaffen ihre meist deutschsprachigen Songs den Spagat zwischen Persönlichem und Politischem.
Schon seit ihrer Beat-Pop-Girl-Band „Die Braut haut ins Auge“, der einzigen Frauenband der sogenannten „Hamburger Schule“ in den 90ern, schrieb sie unendlich viele Ohrwürmer für Utopist*innen, Feminist*innen, Beat- und Elektro-Pop-Fans.
Seit 2004 realisierte sie unzählige Theaterprojekte und Hörspiele als Musikerin, Regisseurin und Autorin u.a. in Berlin (Sophiensaele, HAU Hebbel am Ufer), Hamburg (Schauspielhaus, Thalia Theater), im Theater Freiburg oder Theater Bonn.
2018 erhielt sie den Inspiration Award von Keychange, dem internationalen Netzwerk für Repräsentation von Musikerinnen auf Festivals.
Seit 2018 arbeitet sie als Musikerin mit dem Regisseur Falk Richter zusammen am Schauspielhaus Hamburg, zuletzt 2022 bei „Die Freiheit einer Frau“.
Mit ihrem hundertköpfigen Chor der Statistik besingt sie seit 2019 das „Haus der Statistik am Allesandersplatz“ mit Songs über die Zukunft der Stadt.
Seit März 2021 moderiert sie jeden vierten Dienstag im Monat ihre eigene zweistündige Musiksendung auf Radio Eins.
2021 brachte sie ihr eigenes Stück „Mutter**Land“ in Berlin auf die Bühne (Sophiensaele/Freilichtbühne Weißensee) und tourte damit bis 2023 (u.a. Hamburg Kampnagel, Hellerau Dresden, Staatstheater Nürnberg, Kammerspiele München).
Im April 2025 veröffentlichte sie ihr erstes Buch „Warum ich so laut singen kann“.
Sie leitet viele Chöre in partizipativen Stadt- und Dorfprojekten, u.a. mit den alternativen Stadtplanern Ton Matton, raumlaborberlin oder als Teil des Performance-Kollektivs Recherchepraxis.
Sie ist Mutter ihrer mittlerweile 22-jährigen Tochter Ella Mae.
Fit für den Auszug
gärtnerpflichten (Interdisziplinäre Kunstbande)Gerade in politisch bewegten Zeiten lohnt es sich, an Menschen wie Wilhelm Liebknecht zu erinnern – nicht als Denkmal, sondern als Herausforderung. Im Jubiläumsjahr haben gärtnerpflichten den historischen und vorbildlich widerständigen Auszug der Gießener Studierenden nach Staufenberg aufgegriffen und ins Heute transformiert. Fünf Tage wurde mit Willi zieht aus und vielen Kartons eine Basis für die Protest-Zukunft Gießens gelegt. Diese soll nun dynamisch fortgeführt werden: Wir machen uns fit für den Auszug! Mit Energie, der revolutionären Kraft des Humors, verschiedenen Karton-Sportarten und gemeinsamer Ertüchtigung. Wofür würden wir heute gemeinsam kämpfen? Welche Überzeugung gibt Anlass, uns zu bewegen? Über diese Fragen kommt man auf einem revolutionären Trimm-Dich-Pfad am besten ins Gespräch.
Die interdisziplinäre Kunstbande gärtnerpflichten – bestehend aus Oliver Behnecke (Theaterwissenschaftler, Kulturplaner), Ingke Günther (Bildende Künstlerin), Leander Ripchinsky (Performancekünstler), Esther Steinbrecher (Regisseurin, Texterin), Jörg Wagner (Bildender Künstler), Manuela Weichenrieder (Theaterwissenschaftlerin, Musikerin) – verbindet ihre Kenntnisse aus Bildender und darstellender Kunst. gärtnerpflichten gestalten Situationen, initiieren Dialoge und bündeln Erkenntnisse in ortsspezifischen Formaten zu Themen wie Lebensräumen, Dingkulturen und Utopien. Ihre Konzepte verstehen sich als kontextbedingte künstlerische Praxis im gesellschaftlichen Raum und werden kollektiv unter Anwendung der unterschiedlichen Expertisen entwickelt. Sie sind Gründer*innen des Gießkannenmuseums.
kehrarbeit
annu mensen (Choreograph*in)an alle reste!
an das verworfene, ekelige, übersehene,
an alles unbestimmte, ausrangierte, liegengebliebene, ignorierte,
aus allen ecken und rändern.
kommt zusammen,
bildet haufen und wollmäuse.
bringt mit, was an euch klebt.
schließt euch der bewegung an!
treffpunkt: drinnen. bitte nicht sauber machen.
annu mensen arbeitet in den Bereichen Performance, Choreografie, Installation sowie Tanz- und Bewegungspädagogik und schreibt Audiodeskriptionen für Tanz. annus künstlerische Arbeit beschäftigt sich mit poetischen und politischen Dimensionen der Beziehungen zwischen menschlichen, nicht-menschlichen und unsichtbaren Körpern und ist geleitet von alltäglichen Zuständen und seltsamen Realitäten. Dabei spielen kollektive Prozesse und Kollaborationen eine zentrale Rolle. Nach einem Bachelor in Theaterwissenschaft an der Universität Leipzig und einem Studium des Javanischen Tanzes am Indonesian Institute of Arts in Yogyakarta absolvierte annu eine Tanzpädagogik-Ausbildung in Berlin und schloss den Master Choreografie und Performance an der Justus-Liebig-Universität Gießen ab. Kürzlich wurde annus jüngste Arbeit „SOLES –an undercover song“ im Künstler*innenhaus Mousonturm in Frankfurt gezeigt.
Feminist Leadership
Katja Sonnemann (Facilitatorin/Prozessbegleiterin)Alle reden über neue Führungsmodelle, Agilität und New Work. Aber Führung wohin? Und mit welcher Haltung? Feminist Leadership fordert traditionelle Vorstellungen von Macht heraus und strebt eine sozial gerechte Welt an, in der weder Menschen noch natürliche Ressourcen ausgebeutet werden und die Gleichstellung der Geschlechter verwirklicht ist. Feminist Leadership bedeutet die Abschaffung machtmissbräuchlicher Situationen und Strukturen hin zu Transparenz im Umgang mit Hierarchie und Macht, Fürsorge in Organisationen, sowie die Förderung gemeinsamer Entscheidungsfindung. Feminist Leadership wurden in feministischen Grass-Roots-Bewegungen im Globalen Süden und in den 1970er Jahren in Nordamerika entwickelt. Angesichts von Pandemien, Kriegen und der neuen Rechten gewinnen diese Prinzipien nun weltweit an Dynamik und Relevanz.
In diesem Workshop erhältst du Einblicke in die Grundlagen der Feminist Leadership mit praktischen Methoden aus Kunst und Organisationsmodellen, die auf Selbstorganisation, flachen Hierarchien und Gleichwertigkeit basieren. Hinzu kommt ein Austausch auf Augenhöhe. Im Workshop werden Themen wie institutionelle Fürsorge, verschiedene Formen von Macht und kollektive Entscheidungsfindungen behandelt. Feminist Leadership ist eine Praxis für alle, unabhängig von Geschlecht – auch Männer sind explizit zur Teilnahme eingeladen.
Katja Sonnemann arbeitet als Facilitatorin/Prozessbegleiterin. Mit 30 Jahren Berufserfahrung in den darstellenden Künsten – u. a. als Creative Producer – begleitet sie Teams, Organisationen und Netzwerke in Lern- und Veränderungsprozessen. Von 2018 bis 2024 war sie Initiatorin und Leiterin der AKADEMIE für Performing Arts Producer des Bündnisses Internationaler Produktionshäuser. Frühere Stationen: Company Managerin (Rimini Protokoll, andcompany&Co.), Chefdisponentin (Schaubühne, Maxim Gorki Theater), Leiterin der Künstlerischen Produktion (Theater der Welt 2005). Sie gestaltet Workshops zu internationaler Zusammenarbeit und kollaborativen Arbeitsweisen. Sie ist zertifizierter Organisational Transformation Coach und absolvierte Weiterbildungen in Systems Change und Feminist Leadership.
Der Workshop ist entstanden in Zusammenarbeit mit Flinn Works.
Austausch und Diskurs: Soziale Gerechtigkeit
Soziale Marktwirtschaft war zu Wilhelm Liebknechts Lebzeiten eine Utopie. Heute ist sie (mehr oder weniger) Realität – und zugleich umkämpft. Machtverhältnisse und Privilegien strukturieren unser Miteinander, verteilen Chancen und Verantwortung ungleich, global und privat. Was bedeutet uns soziale Gerechtigkeit heute – und was hat sie mit meiner Jahressteuer zu tun?
Das Austauschformat zum Thema soziale Gerechtigkeit verbindet Elemente aus BarCamp, Zukunftswerkstatt und Elevator-Pitch. Ziel des Formats sind der Austausch und die Vernetzung der Teilnehmenden. Thematisch geht es um eine gemeinsame Bestandsaufnahme und die Entwicklung von Zukunftsvisionen.
Dafür teilen sich die Teilnehmenden auf neun Themengruppen auf: sechs gesetzte Themen – intersektionale Diskriminierung, Generationengerechtigkeit, soziale Absicherung, Einkommen und Vermögen, Wohnen –, zwei offene Gruppen für eigene Themenvorschläge sowie eine Gruppe, die soziale Gerechtigkeit als Ganzes in den Blick nimmt und besonders aufgrund der den Expertisen innerhalb der Gruppe ins Gespräch kommt.
Die Gruppengespräche sind selbstmoderiert und setzen auf die aktive Beteiligung aller. Das Format wird übergreifend von einem*einer Moderator*in begleitet.
Humanotop 2.0 – wer wie Wissen schafft
Dominik Breuer/Gunnar Seidel (Künstlerische Leiter des Brachland-Ensembles)Ein kleines Gedankenspiel: Es ist fünf nach zwölf. Die Menschheit hat es geschafft, allen gesellschaftlichen und ökologischen Herausforderungen zum Trotz, das Ruder herumzureißen und das System wieder ins Lot zu bringen. Wie könnten sie das hinbekommen haben? In einem Laboratorium zerbrechen sich Wissenschaftler*innen aus der Zukunft über diese Frage den Kopf. Doch um die Antworten zu finden, bedarf es der tatkräftigen Unterstützung von weiteren Expert*innen: dem teilnehmendem Publikum. In einem interaktiven Audiowalk entwerfen die Zuschauenden gemeinsam mit dem Wissenschaftsteam ein Zukunftsbild, das sie neu auf ihre Gesellschaft schauen lässt. Wer waren wir, wer sind wir, wer werden wir sein?
Das Brachland-Ensemble (BE) realisiert seit 2011 Projekte zwischen zeitgenössischem Theater und politischer Bildung und zeichnet sich durch die Vermischung von Schauspiel, Moderation, Performance, Medien sowie partizipativen Ansätzen aus. Neben künstlerischen Projekten liegt der Arbeitsschwerpunkt in der „aufsuchenden politischen Bildung“ und der Umsetzung von kreativen, vernetzenden Veranstaltungen.
Das Ensemble wird von Dominik Breuer (Brüssel/Köln) und Gunnar Seidel (Nürnberg) geleitet und arbeitet projektbezogen in unterschiedlichen Konstellationen mit Schwerpunkt Nordrhein-Westfalen (NRW) und Bayern.
Wir bespielen die brachliegenden Räume, in denen alles möglich ist. Die Räume zwischen Theater und Bildung, zwischen Dokumentation und Fantasie. Was wir machen, sind ehrliche Fiktionen.
Das BE kooperiert seit 2017 mit der Landeszentrale für politische Bildung NRW, den Demokratie-Werkstätten NRW sowie weiteren öffentlichen Institutionen.
Beziehungen mit Chatbots? Die emotionalen Auswirkungen von KI
Nora Freya Lindemann (Wissenschaftliche Mitarbeiterin für Ethik der KI an der Eberhard Karls Universität Tübingen)Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen verändern unser Verständnis von Wissen, Lernen und Bildung grundlegend. Genau hier setzt der Impulsvortrag an:
Seit der Veröffentlichung von ChatGPT werden Chatbots – sogenannte große Sprachmodelle – zunehmend genutzt. Millionen Menschen verwenden sie regelmäßig, oft sogar täglich, um etwa E-Mails schreiben zu lassen, zu programmieren oder Kochrezepte zu generieren. Damit beeinflussen Chatbots, welche Informationen und welches Wissen gesellschaftlich verfügbar sind und gefunden werden können. Auch emotionale Gespräche mit Chatbots sind längst keine Seltenheit mehr. Es häufen sich Fälle, in denen Menschen Chatbots als Therapeut*innen nutzen und enge emotionale Beziehungen zu ihnen aufbauen. Dies kann schwerwiegende psychische Folgen haben.
Der Vortrag beleuchtet die Risiken dieser Entwicklung aus ethischer Perspektive und fragt: Wie verändert die Nutzung von Chatbots gesellschaftliches Wissen und unsere Wissenspraktiken? Und wie viel emotionale Nähe zu Maschinen ist ethisch vertretbar?
Nora Freya Lindemann ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im „Norms and Practices“-Lab des Exzellenzclusters „Maschinelles Lernen: Neue Perspektiven für die Wissenschaft“ an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Zuvor forschte und promovierte sie in Osnabrück, Cambridge (UK) und Seattle (USA) zu den gesellschaftlichen und ethischen Folgen von Chatbots und Sprachtechnologien. In ihrer Dissertation entwickelte sie eine machtkritische Ethik von Chatbots, die den Einfluss dieser Technologien auf zwischenmenschliche Beziehungen und gesellschaftliche Wissenspraktiken in den Blick nimmt. Ihre Arbeit verbindet Perspektiven aus der Technikethik, feministischen Wissenschafts- und Technologiestudien sowie kritischen Ansätzen zu Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz.
Zur Notwendigkeit der Demokratie
Zoë Langner (Theaterpädagogin)Demokratie, Mitbestimmung, Partizipation und Werte wie Gerechtigkeit und Solidarität– wer in der politischen oder kulturellen Bildung arbeitet, kommt an diesen Schlagwörtern nicht vorbei. Trotz Vermittlung und Ermutigung zum eigenständigen Handeln werden viele junge Menschen angesichts der Weltlage immer apathischer. Woran liegt das und was hat Wilhelm Liebknecht damit zu tun? In dieser Performance erarbeitet ein Ensemble aus jungen Menschen eine Auseinandersetzung mit Liebknechts bekanntester Rede „Wissen ist Macht – Macht ist Wissen“, die er beim Stiftungsfest des Dresdner Arbeiterbildungsverein 1872 hielt. Mit der Gründung von Arbeiterbildungsvereinen schuf Liebknecht neue Strukturen der Bildungsvermittlung. Was sagen seine Worte und Ideen jungen Menschen heute, wenn sie über Bildungsfragen diskutieren: Woher kommt unser Wissen? Wer hat Zugang? Wie wird es vermittelt? Wem nützt es?
Zoë Langner (geb. 2002), in Trier und Berlin aufgewachsen. Mit 14 begann in sie, in Theaterspielclubs mitzuwirken und arbeitet seitdem im und rund um das Theater. Sie studiert in Gießen Angewandte Theaterwissenschaft und arbeitet als Theaterpädagogin hauptsächlich mit Kindern und Jugendlichen in schulischen und freien Zusammenhängen. Mittelpunkt ihrer Arbeit ist dabei ein kollektiver Aushandlungsprozess, der es den Beteiligten ermöglicht, Theater und Welt durch das eigene künstlerische Handeln neu zu erfahren. 2024 organisierte sie das kostenlose Gemeinschaftszentrum treffpunkt gießen auf dem Seltersweg mit.
RALLEYpulkDEMO
Eine Demo für die Demokratie! pulk fiktion (Theatergruppe)Missstände aufzeigen, sich für andere einsetzen, Demokratie leben – die Demonstration ist eines der wichtigsten Mittel der Demokratie. Wofür gehst du auf die Straße? Welche Worte wählst du für dein Demo-Plakat? Was schreist du durchs Megaphon? Wen willst du erreichen? Und wie verbünden wir uns?
Ausgehend von dem Format „RALLEYpulk“, laden wir zur Beschäftigung mit unseren Demonstrationsmechanismen ein und sind dabei quasi schon mitten in der performativen Demo. In Kleingruppen zieht ihr in die Stadt, bekommt von uns via Messenger Aufgaben und Fragestellungen und kommt darüber mit den anderen in den Austausch. Wenn ihr zurückkommt, haben wir hoffentlich alles zusammen, was wir für ein lustvolles Eintreten für die Demokratie brauchen.
pulk fiktion ist eine Theatergruppe, die sich 2007 gegründet und derzeit ihren Sitz in Köln hat. Ein Pulk von Künstler*innen erarbeitet in unterschiedlichen Konstellationen Produktionen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene und möchte Fragen und Lebensrealitäten von jungen Menschen einen künstlerischen Raum geben. Dabei stellt sich pulk fiktion immer auch die Frage, wie Theater nicht nur Utopien vorspielen, sondern selbst Ort der Begegnung und Verhandlung sein kann.
pulk fiktions Arbeiten, meist Stückentwicklungen, wurden auf zahlreiche nationale und internationale Festivals eingeladen und mit Preisen ausgezeichnet. 2025 erhielt pulk fiktion als erste Kinder- und Jugendtheatergruppe den Tabori Hauptpreis.
Austausch und Diskurs: Bildung
Bildung bedeutete für Wilhelm Liebknecht kollektive Emanzipation, nicht nur individuell, sondern als politische Ermächtigung der Gesellschaft. Mit Wissen zur Mitgestaltung. Mit Wissen zur Macht. Heute gilt es, Lernorte und Zugänge neu zu denken: Wo, mit wem und wie lernen wir? Wie verändern neue Medien Bildung, und wie lässt sich (demokratische) Bildung unabhängig von Kita und Schule stärken?
Das Austauschformat zum Thema Bildung verbindet Elemente aus BarCamp, Zukunftswerkstatt und Elevator-Pitch. Ziel des Formats sind der Austausch und die Vernetzung der Teilnehmenden. Thematisch geht es um eine gemeinsame Bestandsaufnahme und die Entwicklung von Zukunftsvisionen.
Dafür teilen sich die Teilnehmenden auf neun Themengruppen auf: sechs gesetzte Themen – Schule, Weiterbildung und lebenslanges Lernen, kulturelle Bildung, Demokratiebildung, inklusive Bildung und digitale Bildung –, zwei offene Gruppen für eigene Themenvorschläge sowie eine Gruppe, die Bildung als Ganzes in den Blick nimmt und besonders aufgrund der Expertisen innerhalb der Gruppe ins Gespräch kommt.
Die Gruppengespräche sind selbstmoderiert und setzen auf die aktive Beteiligung aller. Das Format wird übergreifend von einem*einer Moderator*in begleitet.
IN (E)MOTION
Dominik Breuer/Gunnar Seidel (Künstlerische Leiter des Brachland-Ensemble)IN (E)MOTION ist ein praxisnaher Workshop für Multiplikator*innen und Entscheidungstragende aus Bildung, Politik, Verwaltung, Kultur, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Er zeigt, wie komplexe Themen emotional erfahrbar und gemeinschaftlich verhandelbar werden – ohne populistische Vereinfachung. Mit kreativen Tools des Brachland-Ensembles lernen die Teilnehmenden, wie faktenbasierte Inhalte berühren, mobilisieren und an Lebensrealitäten andocken.
Im Zentrum steht der Praktische Possibilismus – die Verbindung von faktenbasierter Hoffnung und lösungsorientiertem Handeln. Der Workshop bietet partizipative Methoden, die Emotionen konstruktiv nutzen, gezielt ansprechen, Diskurse fördern und Menschen aktivieren, vom Küchentisch bis zur (politischen) Bühne – für Veränderung mit Herz, Verstand und Haltung.
Basierend auf jahrelangen internationalen Recherchen, u.a. in Syrien, Schweden, Lettland, Indien, Ghana und der Ukraine, begegneten Dominik Breuer und Gunnar Seidel zahllosen Menschen, die mit ihren individuellen Fähigkeiten aktiv zur Weltverbesserung beitragen und dabei eine (oft zu stille) Mehrheit repräsentieren. Daraus entstand das Konzept des Praktischen Possibilismus: Die Einstellung, sich nur mit Problemen zu befassen, die man erstens lösen kann und zweitens lösen will, im Vertrauen darauf, dass für jede Herausforderung die richtige Person mit den passenden Fähigkeiten existiert.
Das Brachland-Ensemble (BE) realisiert seit 2011 Projekte zwischen zeitgenössischem Theater und politischer Bildung und zeichnet sich durch die Vermischung von Schauspiel, Moderation, Performance, Medien sowie partizipativen Ansätzen aus. Neben künstlerischen Projekten liegt der Arbeitsschwerpunkt in der „aufsuchenden politischen Bildung“ und der Umsetzung von kreativen, vernetzenden Veranstaltungen.
Das Ensemble wird von Dominik Breuer (Brüssel/Köln) und Gunnar Seidel (Nürnberg) geleitet und arbeitet projektbezogen in unterschiedlichen Konstellationen mit Schwerpunkt Nordrhein-Westfalen (NRW) und Bayern.
Wir bespielen die brachliegenden Räume, in denen alles möglich ist. Die Räume zwischen Theater und Bildung, zwischen Dokumentation und Fantasie. Was wir machen, sind ehrliche Fiktionen.
Das BE kooperiert seit 2017 mit der Landeszentrale für politische Bildung NRW, den Demokratie-Werkstätten NRW sowie weiteren öffentlichen Institutionen.
Stimmt so? Entscheidungssysteme und das Design der Demokratie
Clara Ehrenwerth (Autorin und Spieleentwicklerin beim Game-Theater-Kollektiv machina eX)Wie treffen wir gemeinsam gute Entscheidungen, mit denen möglichst viele von uns zufrieden sind? In der Familie, im Freundeskreis oder im Beruf, aber auch als wahlberechtigte Bürger*innen in einer demokratischen Gesellschaft sind wir ständig Teil von Abstimmungen. Manchmal machen wir ein Kreuz oder heben die Hand. Manchmal diskutieren wir so lange, bis wir einen Konsens finden. Und manchmal werden Entscheidungen über unsere Köpfe hinweg getroffen, ohne dass wir mitbestimmen können.
Im Workshop „Stimmt so?“ untersucht und erprobt die Autorin und Theater-Game-Designerin Clara Ehrenwerth mit den Teilnehmer*innen spielerisch verschiedene Entscheidungssysteme. Gemeinsam geht die Gruppe der Frage nach, wie und wo das Design der Demokratie unseren Alltag prägt.
Clara Ehrenwerth ( geb. 1987), aufgewachsen in Erfurt, studierte Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim. Von 2008 bis 2011 war sie Mitherausgeberin der Literaturzeitschrift BELLA triste und außerdem als Mitglied der künstlerischen Leitung und Projektleiterin beim Literaturfestival PROSANOVA 2011 tätig. Sie arbeitet seit 2014 mit dem Game-Theater-Kollektiv machina eX zusammen und ist seit 2018 Geschäftsführerin der Gruppe. Außerdem schreibt sie Hörspiele (u.a. für den WDR) sowie Essays und Prosatexte. 2022 war sie Artist in Residence am Goethe-Institut Neuseeland.
Clara Ehrenwerth lebt als freie Autorin und Spieleentwicklerin in Leipzig, wo sie sich neben ihrer künstlerischen Tätigkeit auch kommunalpolitisch als Stadtbezirksbeirätin engagiert.
RETTET DIE SOZIALE DEMOKRATIE!
Eine urbane & sozialpolitische Intervention DIE HAPPY FEW (Kollektiv des Freien Theaters)DIE HAPPY FEW rollen den roten Teppich aus – und errichten darauf eine Barrikade (von frz. barrique). Gemeinsam mit Passant*innen und Gießener*innen feiern und befragen wir die soziale Demokratie: ihre Geschichte, ihre Errungenschaften, ihre Zukunft.
Im Zentrum stehen Wilhelm Liebknechts Themen: Frieden, sozialer Ausgleich, Bildung und Teilhabe – was bedeuten sie heute für uns? Für wen setzt sich soziale Demokratie heute ein – und wer bleibt ausgeschlossen?
Zwischen Protest, Versammlung und öffentlichem Fest entsteht ein Ort für Begegnung, Diskussion und Anstoß. Gemeinsam verteidigen wir soziale Gerechtigkeit, Bildung, Teilhabe und Solidarität gegen Populismus und soziale Spaltung!
Kommt vorbei, stoßt mit uns an, mischt euch ein!
DIE HAPPY FEW sind ein Kollektiv des Freien Theaters, das seit 2010 performative Formate und Installationen im Spannungsfeld von Kunst, des Sozialen und öffentlichem Raums entwickelt. Im Zentrum stehen die Aneignung von Räumen, ihre performative und situationistische Bearbeitung.
David Schnaegelberger ist Theaterkünstler, Regisseur und Szenograf. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf Theater im öffentlichen Raum sowie künstlerischen Auseinandersetzungen mit Klimawandel, Stadtgesellschaft und Formen der Teilhabe.
Anna Tekampe ist Philosophin und Künstlerin. Ihre Arbeiten verbinden ästhetische Praxis mit theoretischer Analyse. Neben ihrer künstlerischen Tätigkeit lehrt und forscht sie seit 2018 an Universitäten in Deutschland.
David Schnaegelberger, Anna Tekampe & Special Guests
Welcher Frieden?
Jonas Harksen (Sounddesigner)Mit einem Fragenkatalog machen wir uns auf in die Gießener Stadtgesellschaft und stellen Fragen nach positivem und negativem Frieden: Welcher politische Konflikt hat dein Leben beeinflusst? Wo spürst du diesen Konflikt in deinem Leben, wo beeinflusst er dich? Was fehlt deiner Meinung nach, um Frieden (wieder) herzustellen? Die Ergebnisse der Recherche sind in dem Audiowalk während des Festigress zu hören. In Interviews und Soundcollagen erkundet das Format Subjektivität im geopolitischen Kontext und stellt nicht die Frage, „ob“, sondern „welcher Frieden?“
Jonas Harksen studierte Klavier in Detmold und Köln sowie Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen. Als Musiker und Sounddesigner arbeitet er in den freien darstellenden Künsten sowie in Institutionen der Kunst- und Kulturszene wie dem LOFFT Leipzig und dem Nassauischen Kunstverein.
Hannah Helbig studiert Angewandte Theaterwissenschaft sowie Philosophie, Soziologie und Politikwissenschaft an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Sie entwickelt und performt eigene Theaterarbeiten und trat damit u.a. beim Theaterfestival Körber Studio Junge Regie, im Ballhaus Ost sowie an den Landungsbrücken Frankfurt auf.
Idee, Sounddesign und Recherche: Jonas Harksen; Dramaturgie: Hannah Helbig
Hyperdark – „If The Kids Are Divid:ed…“
andcompany&Co. (Künstler*innenkollektiv)Die politischen Kategorien sind durcheinandergeraten: rechts, links? Oben, unten…? In der sogenannten Hyperpolitik* sind alle verwirrt, hyperaktiv und ausgebrannt zugleich. In einer Mischung aus Lecture, Konzert und Live-Hörspiel fragt das Berliner Theaterkollektiv andcompany&Co. zusammen mit der Autorin und Lyrikerin Elisa Aseva: Wann wurde das Politische so persönlich? Wie in aller Welt kann man in dieser verwirrten Zeit arbeiten, denken, atmen, ohne selbst zur Verwirrung beizutragen? Gemeinsam führen sie tief in den Wald einer irrlichternden Gegenwart.
* Als Hyperpolitik bezeichnet man eine extreme Politisierung der Gesellschaft im digitalen Zeitalter, die jedoch weitgehend folgenlos bleibt.
Seit über 20 Jahren bringen andcompany&Co. unverwechselbares politisches Theater auf die Bühne: Kapitalismus, Kommunismus, Kolonialismus und was das alles mit der aktuellen Klimakrise zu tun hat im Remix. 2003 in Frankfurt am Main von Alexander Karschnia, Nicola Nord und Sascha Sulimma gegründet, lebt und arbeitet die Gruppe seit 2007 in Berlin, wo sie am HAU Hebbel am Ufer ihre künstlerische Basis hat. Ko-Regie, Ko-Autor*innenschaft und Ko-Produktion bilden das Selbstverständnis von andcompany&Co., die gemeinsam mit Künstler*innen, Wissenschaftler*innen, Aktivist*innen oder Jugendlichen konzipieren, komponieren und rekombinieren. Im Rahmen der Reihe PLANETKULT: Planetarier*innen aller Länder vereinigt euch! feiern „Die Umsiedler*innen“ im Dezember 2026 Premiere im HAU Hebbel am Ufer.
Mit: Elisa Aseva, Alexander Karschnia, Nicola Nord, Sascha Sulimma&Co. Konzept: andcompany&Co. Text: Elisa Aseva, Alexander Karschnia&Co. Musik: Sascha Sulimma&Co. Video: Kathrin Krottenthaler Animation: Hila Flashkes Kostüm & Ausstattung: Raul Walch Mitarbeit Regie: Saskia Mommertz Mitarbeit Kostüm & Ausstattung: Diane Esnault Technische Leitung: Marc Zeuske Presse: ehrliche arbeit – freies Kulturbüro / Ilka Rümke Finanzmanagement: Laura Biagioni Company Management: Caroline Farke
IN (E)MOTION
Dominik Breuer/Gunnar Seidel (Künstlerische Leiter des Brachland-Ensemble)IN (E)MOTION ist ein praxisnaher Workshop für Multiplikator*innen und Entscheidungstragende aus Bildung, Politik, Verwaltung, Kultur, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Er zeigt, wie komplexe Themen emotional erfahrbar und gemeinschaftlich verhandelbar werden – ohne populistische Vereinfachung. Mit kreativen Tools des Brachland-Ensembles lernen die Teilnehmenden, wie faktenbasierte Inhalte berühren, mobilisieren und an Lebensrealitäten andocken.
Im Zentrum steht der Praktische Possibilismus – die Verbindung von faktenbasierter Hoffnung und lösungsorientiertem Handeln. Der Workshop bietet partizipative Methoden, die Emotionen konstruktiv nutzen, gezielt ansprechen, Diskurse fördern und Menschen aktivieren, vom Küchentisch bis zur (politischen) Bühne – für Veränderung mit Herz, Verstand und Haltung.
Basierend auf jahrelangen internationalen Recherchen, u.a. in Syrien, Schweden, Lettland, Indien, Ghana und der Ukraine, begegneten Dominik Breuer und Gunnar Seidel zahllosen Menschen, die mit ihren individuellen Fähigkeiten aktiv zur Weltverbesserung beitragen und dabei eine (oft zu stille) Mehrheit repräsentieren. Daraus entstand das Konzept des Praktischen Possibilismus: Die Einstellung, sich nur mit Problemen zu befassen, die man erstens lösen kann und zweitens lösen will, im Vertrauen darauf, dass für jede Herausforderung die richtige Person mit den passenden Fähigkeiten existiert.
Das Brachland-Ensemble (BE) realisiert seit 2011 Projekte zwischen zeitgenössischem Theater und politischer Bildung und zeichnet sich durch die Vermischung von Schauspiel, Moderation, Performance, Medien sowie partizipativen Ansätzen aus. Neben künstlerischen Projekten liegt der Arbeitsschwerpunkt in der „aufsuchenden politischen Bildung“ und der Umsetzung von kreativen, vernetzenden Veranstaltungen.
Das Ensemble wird von Dominik Breuer (Brüssel/Köln) und Gunnar Seidel (Nürnberg) geleitet und arbeitet projektbezogen in unterschiedlichen Konstellationen mit Schwerpunkt Nordrhein-Westfalen (NRW) und Bayern.
Wir bespielen die brachliegenden Räume, in denen alles möglich ist. Die Räume zwischen Theater und Bildung, zwischen Dokumentation und Fantasie. Was wir machen, sind ehrliche Fiktionen.
Das BE kooperiert seit 2017 mit der Landeszentrale für politische Bildung NRW, den Demokratie-Werkstätten NRW sowie weiteren öffentlichen Institutionen.
Austausch und Diskurs: Demokratie(entwicklung)
Fünf parallele Gespräche widmen sich jeweils einem Oberthema. Jedes dieser Gespräche beginnt mit einem kurzen Input einer Expert*in, anschließend gibt es Raum für Fragen und offenen Austausch. Eine Moderation begleitet die Gespräche. Insgesamt finden drei Gesprächsrunden statt, eine Runde dauert 25 Minuten. So besteht die Möglichkeit, sich bis zu drei Oberthemen zuzuwenden. Die Expert*innen setzen in jeder Runde unterschiedliche Schwerpunkte, sodass es sich ebenso lohnt, bei einem Oberthema zu bleiben.
Vielfalt demokratischer Akteur*innen
Ali Can (Sozialaktivist, Autor)
Pluralismus ist autoritären Kräften ein Ärgernis. Wo die Demokratie ins Wanken gerät, geraten oft zuerst Minderheiten unter Druck. Doch gerade sie brauchen mehr Teilhabe und Mittel, um sich einzubringen. Nur eine entschlossene Gesamtgesellschaft kann sich den Feinden der Demokratie stellen. Doch wer in der Demokratie lebt, ohne sie zu verteidigen, genießt ein Privileg auf Zeit.
Ali Can ist Sozialaktivist, Autor und Trainer für Engagement und Antirassismus. Als Initiator der „Hotline für besorgte Bürger“ sowie des globalen Antirassismus-Hashtags #MeTwo ist er national wie international bekannt geworden. 2019 eröffnete in Essen das von ihm mitgegründete „VielRespektZentrum“, das er bis April 2026 aufgebaut und geleitet hat. Can hält Vorträge und Schulungen zu Demokratie, Antirassismus, Engagement und Vielfalt. Für sein Engagement wurde Can mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Bundesverdienstorden als einer der jüngsten Träger der Bundesrepublik sowie mit dem Jugenddemokratiepreis der Bundeszentrale für politische Bildung.
Konstruktive Kommunikation als Basis demokratischen Handelns
Vom Umgang mit Menschen zum Umgang miteinander – Knigges Beitrag zur demokratischen Gesprächskultur
Anja Mielke (Generalistin)
Was braucht es, damit Streit produktiv bleibt, statt zu spalten – und wir miteinander sprechfähig bleiben?
Anja Mielke, geboren 1977 in Berlin, verbindet in ihrer Biografie angewandte Kunst, pädagogischen Blick, unternehmerische Praxis und zeitgemäße Umgangsformen. Als Trainerin, Art-Director und Brand-Consultant der KniggeAkademie macht sie gemeinsam mit Clemens Graf von Hoyos und Team das Erbe Adolph Freiherr Knigges anschlussfähig. Seit 2026 leitet sie zudem gemeinsam mit ihrem Partner die TAVOA GmbH.
Sie versteht sich als Impulsgeberin, die neue Ideen einbringt, als Gestalterin mit Gespür fürs große Ganze und als aufmerksame Beobachterin gesellschaftlicher wie kultureller Entwicklungen. Als Kommunikatorin und Konzeptionerin mag sie es, wenn viele Köpfe zusammendenken. So werden aus guten Ideen oft noch bessere und aus guten Entscheidungen tragfähige.
Ehrenamtlich begleitet sie Sterbende im Hospizdienst der Stephanus Stiftung.
Bürger*innen in der Demokratie
Prof. Dr. Dorothée de Nève (Politikwissenschaftlerin)
Wilhelm Liebknecht hat sich in seiner politischen Arbeit mit dem demokratischen Staat und der Gesellschaft beschäftigt. Heute besteht wie damals die Herausforderung in der Stärkung progressiver Positionen im Kampf gegen Unterdrückung und Ausgrenzung. Liebknecht hat in die Gestaltungskraft der Bürger*innen und deren Potenzial, die Welt zu verändern, vertraut. Vor diesem Hintergrund gilt es zu reflektieren, wie unter den aktuellen gesellschaftspolitischen Bedingungen die Bürger*innen ihre demokratische Gestaltungsmacht entfalten können. Von besonderer Bedeutung sind in diesem Kontext Orte der Begegnung, die es Bürger*innen ermöglichen, einerseits die Zumutungen der Gegenwart zu ertragen und andererseits in einer Kultur demokratischer Großzügigkeit die Zukunft gemeinschaftlich zu gestalten.
Prof. Dr. Dorothée de Nève ist Politikwissenschaftlerin an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Partizipationsforschung und Parteienforschung, Politik und Religion sowie Politik und Kunst. De Nève forscht außerdem zum LGBTIQ*-Wahlverhalten. Seit Oktober 2026 ist de Nève Dekanin des Fachbereichs 03 Sozial- und Kulturwissenschaften der Justus-Liebig-Universität. Sie ist außerdem Vorsitzende des Auswahlausschusses der Friedrich-Ebert-Stiftung zur Vergabe von Stipendien.
Demokratie im Ländlichen Raum – und was Frauen damit zu tun haben
Kerstin Weis (Geschäftsführerin des Netzwerks LandHessinnen, Leiterin der Akademie für den ländlichen Raum)
Liebknechts Einsatz für Frauenrechte ist zeitlos. Denn Demokratie im ländlichen Raum braucht starke Frauen.
Kerstin Weis
Aufgewachsen im Münsterland, studierte sie Politik, Geographie sowie Friedens- und Konfliktforschung in Marburg und Freiburg. Neben Stationen an den Universitäten Bonn und Gießen war sie Referentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft und arbeitete am Institut für ländliche Strukturforschung in Frankfurt, wo sie sowohl in EU-Projekten forschend als auch in der Regionalentwicklung beratend tätig war. Seit 2019 arbeitet sie in der Akademie für den ländlichen Raum (ALR) Hessen, die sie seit 2021 leitet. Die ALR bringt Wissen in die ländlichen Räume und unterstützt Netzwerke. Sie ist geschäftsführend für das Netzwerk LandHessinnen und den Preis der LandHeldin zuständig, der alle zwei Jahre in Zusammenarbeit mit dem Heimatministerium* vergeben wird und Frauen inspirieren will, aktiv ländliche Räume zu gestalten. Seit 2022 ist sie die Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft Ländlicher Raum, einem Zusammenschluss der Akademien für die ländlichen Räume.
*Hessisches Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat
Aufsuchende politische Bildung
Prof. Dr. Lars Meyer (Soziale Arbeit, Demokratie, Politische Bildung)
Aufsuchende politische Bildung mit Wilhelm Liebknecht bedeutet, Demokratie heute vor Ort zu gestalten: radikaldemokratisch, solidarisch und zukunftsweisend.
Aufsuchende politische Bildung begreift Lebenswelten als Ausgangspunkt: Sie sucht Orte der Begegnung auf, initiiert Prozesse und unterstützt Gemeinschaften darin, ihre Fragen, Interessen und Visionen zu entwickeln. Ziel ist es, die Fähigkeit zur mündigen Urteilskraft zu stärken – als Grundlage für eigenständiges und verantwortliches Handeln im Sinne aller.
Seit 1991 ist Prof. Dr. Lars Meyer in der politischen Bildung tätig – in der Kinder- und Jugendhilfe, der Straßensozialarbeit sowie in non-formaler Kinder-, Jugend- und Erwachsenenbildung. Weitere Schwerpunkte liegen in der gewerkschaftlichen, gemeinwesen- und lebensweltbezogenen politischen Bildungsarbeit.
Dabei arbeitet Lars Meyer unter anderem mit dem „Netzwerk Zukunftswerkstätten“, der Internationalen Bibliothek für Zukunftsfragen Salzburg, der Fachgruppe „Aufsuchende Politische Bildung“, der Landeszentrale für politische Bildung NRW, der Demokratiewerkstatt Krefeld, der IU – Internationale Hochschule sowie den internationalen Demokratieforschungsnetzwerken „Zukunft gestalten in demokratisch-solidarischer Verständigung“ zusammen. Leitend ist dabei die Idee, Zukunft in demokratisch-solidarischer Verständigung zu gestalten.
Im Chor – über Kraft und Humor kollektiven Sprechens und Agierens
ASJA (Performancekünstlerin)/Ekaterine Giorgadze (Tanz- und Theaterschaffende)/zaungäste kollektiv (Theater- und Performancekollektiv)In diesem Einstiegs-Workshop verstehen wir den (Sprech-)Chor als Ort, an dem viele unterschiedliche Stimmen zusammenkommen.
Uns interessiert kollektives Sprechen und Bewegen als eine gemeinsame Erfahrung unterschiedlicher Stimmen, Körper und Perspektiven, die sich nicht angleichen oder homogenisieren müssen. Im Mittelpunkt steht das gemeinsame Ausprobieren: ein Raum, in dem Verschiedenheit Platz hat, Entscheidungen zusammen getroffen werden und spürbar wird, wie kollektives Handeln stärken kann.
In praktischen Übungen probieren wir verschiedene Arten des gemeinsamen Sprechens und Bewegens aus und finden Möglichkeiten, wie jede*r Teil eines Ganzen werden kann, ohne sich gleich zu machen oder unterzugehen. Dafür nutzen wir auch Beispiele aus unserer eigenen künstlerischen Arbeit. Humor ist dabei insofern wichtig, weil er das Scheitern immer schon miteinschließt und hilft, Dinge aus einer gewissen Distanz zu betrachten, ohne Druck Neues auszuprobieren und gemeinsam andere Wege zu finden.
ASJA beschäftigt sich auf und neben der Bühne mit spielerischen Formaten, die Fiktion und Alltag verschwimmen lassen. Sie arbeitet als Mediatorin, Theatermacherin, Dramaturgin und Performerin. Gemeinsam mit Jonathan Schmidt-Colinet entwickelt sie unter dem Label The Art of Protest mit künstlerischen Mitteln Formen und Aktionen des Protests.
Ekaterine Giorgadze ist Choreografin, Performerin, Tanzvermittlerin und Projektmanagerin. Sie sucht aktiv den Austausch mit Künstler*innen anderer Disziplinen. In der interdisziplinären Zusammenarbeit sieht sie das Potenzial, den zeitgenössischen Tanz mit vielfältigen Fachbereichen zu verknüpfen und choreografische Prozesse einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.
Seit 2011 entstehen unter dem Label zaungäste Theaterarbeiten und performative Aktionen von Susanne Zaun, Marion Schneider und Kolleg*innen. Aktuell gehören zu den zaungästen die Künstler*innen ASJA, Judith Altmeyer, Ekaterine Giorgadze, Katharina Runte, Katharina Speckmann und Isabelle Zinsmaier. Sie interessieren sich für popkulturelle Artefakte, den Untergang des Patriarchats, affirmative Praktiken und die Irritation, die durch das Fremde im Vertrauten entsteht.
Die zaungäste erhalten Mehrjahresförderung der Stadt Frankfurt am Main.
Freiheit heißt der letzte König
Revolutionäre Texte und Lieder Stadttheater Gießen„Wilhelm Liebknecht kämpfte für Freiheit und Frieden und wurde dafür ins Exil gezwungen. Als jemand, der seine Heimat aus Ablehnung von Krieg verlassen hat, fühle ich mich ihm verbunden. Frieden beginnt mit unseren politischen Entscheidungen.“ (Aleksandr Kapeliush)
Zum 200. Geburtstag von Wilhelm Liebknecht lädt das Theater zu einem musikalisch-literarischen Abend über Demokratie, Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden ein.
Wilhelm Liebknecht, Gießener Original, Revolutionär, Demokrat und Mitbegründer der deutschen Sozialdemokratie, kämpfte sein Leben lang für politische Teilhabe, Bildung und eine friedlichere Gesellschaft. Für diese Überzeugungen wurde er verfolgt, inhaftiert und ins Exil gezwungen. Seine Geschichte erinnert daran, dass Demokratie keine Selbstverständlichkeit ist, sondern von Menschen erstritten und verteidigt werden muss.
Doch dieser Abend blickt nicht nur zurück, sondern zeigt auch wie Liebknechts Ideen bis heute weiterwirken. Viele Menschen haben seine Vision einer gerechteren Gesellschaft aufgenommen, weitergedacht und für ihre Zeit neu formuliert. Von Liebknecht bis in die Gegenwart spannt sich ein Bogen aus Liedern, Gedichten und Texten über Widerstand, Hoffnung und gesellschaftlichen Wandel. Wer oder was ist eigentlich „Deutschland“? Wer prägt dieses Land und warum bleibt Zugehörigkeit für viele Menschen bis heute eine offene Frage? Ein Abend zum Zuhören, Nachdenken und Zusammenkommen. Denn die Geschichte fragt uns immer wieder neu: Auf welcher Seite wollen wir stehen? Und welche Welt wollen wir den kommenden Menschen hinterlassen?“
(Aleksandr Kapeliush)
Aleksandr Kapeliush (geb. 1999 in St. Petersburg) studierte Regie in Moskau an der GITIS. Mit Ausbruch des Ukraine-Krieges 2022 verließ er Russland und zog nach Tel Aviv, wo er Regie und Theaterpädagogik studierte. 2023 ist er nach Berlin umgezogen, wo er an dem Festival der Antikriegs-Dramatik „Lubimovka“ teilgenommen hat. In der Spielzeit 2023/24 war er als Regieassistent am Stadttheater Gießen tätig. Im April 2024 inszenierte er am Stadttheater Gießen den Text von Maya Arad Yasur „Wie man nach einem Massaker humanistisch bleibt in 17 Schritten“. Während des Regiestudiums an der ADK in Ludwigsburg realisierte er mehrere Projekte — das biografische Stück „das Wetter zuhause. ein Wohnzimmerballett“, die Überschreibung Shakespeares „Ein Sommernachtstraum. a“, sowie „DIE MÖWE. NEIN UNSINN.“ nach Anton Tschechow. „das Wetter zuhause. ein Wohnzimmerballett“ wurde zu mehreren Festivals eingeladen, sowie zum Körber Studio Junge Regie (Hamburg), Fast Forward Festival (Dresden) und Festival PREMIERES (Straßburg). Im November 2025 inszenierte er das Stück „Triage“ von Maya Arad Yasur am Stadttheater Gießen als sein Abschlussprojekt. Seine Arbeiten kreisen um Themen wie Identität, Flucht, Multikulturalität, Queerness und Möglichkeit der Freiheit und Selbstbestimmung.
Jojo Büld (geb. 1975 in Berlin) ist Musiker, Multi-Instrumentalist und Komponist. Seit 2001 komponierte er mehr als 40 Bühnenmusiken, unter anderem für die Berliner Volksbühne, das Staatstheater Stuttgart und das Schauspielhaus Zürich. Als musikalischer Leiter arbeitete er mit Regisseur*innen wie Dani Levy, Alvis Hermanis und Nicolas Stemann und Simone Sterr. Am Stadttheater Gießen komponierte er u.a. die Musik für „Hundepark“ nach dem Roman von Sofi Oksanen. Seit 2015 leitet er die Ensemble-Musik am Schauspielhaus Zürich. Er lebt und arbeitet am Bodensee.
Cennet Alkan (geb. 1987 in Berlin) studierte Schauspiel am Europäischen Theaterinstitut Berlin. Als freischaffende Schauspielerin arbeitete sie unter anderem am Maxim Gorki Theater Berlin und am LICHTHOF Theater Hamburg. Sie ist zudem Autorin und Filmemacherin und veröffentlichte 2020 die Erzählung „Eierschalenweiß“. Seit 2023 arbeitet sie als Dramaturgin im Bereich Erinnerungskultur und Stadtvernetzung am Stadttheater Gießen.
Lena Plumpe studierte Theaterwissenschaft und Soziolinguistik in Berlin und Stockholm. Sie arbeitete unter anderem am Theaterdiscounter und Theater an der Parkaue und inszenierte 2018 am Theater im Kino. Anschließend studierte sie Kultur- und Medienmanagement sowie Dramaturgie an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. 2025 organisierte sie ein bundesweites Netzwerktreffen für junge Dramaturgie. Seit 2025 ist sie Dramaturgin am Stadttheater Gießen.
Ben Janssen (geb. 1987 in Eckernförde) studierte Schauspiel in Stuttgart. Nach Engagements am Landestheater Tübingen und an der Württembergischen Landesbühne Esslingen arbeitete er auch für Film und Fernsehen. Für seine Rolle in „Leere Stadt“ wurde er bei den Mazedonischen Theatertagen als bester Darsteller ausgezeichnet. Seit 2022 gehört er zum Schauspielensemble des Stadttheaters Gießen, wo er in der Spielzeit 26/27 u.a. im Musical „Cabaret“ zu sehen sein wird.
Joey Nashaa Scholl (geb. 1998) wuchs zweisprachig in Bremen und Heilbronn auf und sammelte früh Erfahrungen in Theaterclubs. Nach Regiehospitanzen bei Stephan Kimmig und Claudia Bauer studierte er Schauspiel an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg und schloss das Studium 2025 ab. Bereits während des Studiums spielte er am Deutschen Schauspielhaus Hamburg. Seit der Spielzeit 2025/26 gehört er zum Ensemble des Stadttheaters Gießen. In der Spielzeit 26/27 ist er u.a. in „Endstation Gießen – Eine endlos verfahrene Krimikomödie“ von Amina Eisner zu sehen.
Carolin Weber studierte Schauspiel in Stuttgart und war zunächst am Theater Oberhausen engagiert. Anschließend arbeitete sie freischaffend unter anderem am Schauspielhaus Bochum, Schauspiel Graz und Staatstheater Karlsruhe. Seit 2004 gehört sie zum Ensemble des Stadttheaters Gießen. Dort spielte sie zahlreiche Rollen in klassischen und zeitgenössischen Stücken, darunter „Maria Stuart“, „Die Orestie“, „Endstation Sehnsucht“ und zuletzt in „Dumme Jahre“ von Thomas Freyer und „Das Opferfest“ von Ibrahim Amir. Daneben realisierte sie eigene Lesungen und musikalische Abende. In der Spielzeit 26/27 ist sie u.a. in „Endstation Gießen – Eine endlos verfahrene Krimikomödie“ von Amina Eisner zu sehen.
Fritzi Ernst – Introvert Tour
Konzert am SamstagMit ihrem neuesten Song „Introvert Memes“ lieferte Fritzi Ernst kürzlich die definitive Party-Hymne für alle Lieber-in-der-Ecke-Steherinnen und Gleich-zuhause-auf-der-Couch-Bleiberinnen. Jetzt kündigt die Hamburger Musikerin für 2026 unter dem Titel „Introvert Tour“ neue Konzerttermine an.
„Ich komme auf die Party und sag keinen Pieps /Ich hör nur auf die Musik und guck Introvert Memes“
Nach dem Release ihres zweiten Albums „Jo-Jo“ im vergangenen Jahr und der Kollabo-Single „Tiere gucken fahrn“ mit DJ Hundefriedhof geht’s jetzt – trotz ausgeprägter Introvert Feelings – wieder raus auf Tour.
Fritzi Ernst schreibt dazu: „Hey Leute, wir gehen auf INTROVERT TOUR! In einigen Städten, in denen wir noch nie gespielt haben, und auch in welchen, in denen wir schon gespielt haben. Zückt eure Kalender! Es wird bei den Konzerten auch einen extra Bereich für Extroverts geben. Das ist natürlich nur ein Scherz! Kommt bitte alle sehr gerne und seid halt, wie ihr seid.“
Von Barrikaden und Parlamenten. Wilhelm Liebknechts Ideen für die Demokratie
Museumsführung Sonderausstellung im Museum für Gießen (29. Mai 2026 bis 31. Januar 2027)Die Sonderausstellung im Museum für Gießen rückt Wilhelm Liebknecht als Persönlichkeit in den Fokus und setzt seine politischen und gesellschaftlichen Ideen in einen aktuellen Kontext. Die Ausstellung orientiert sich dabei an Liebknechts Aktivismus: Sie ist partizipativ und interaktiv und reiht sich in die breit gefächerten, niedrigschwelligen Angebote des Liebknecht-Jahres ein.
Museumsführung: Am Sonntag, den 25.10. um 11.00 Uhr, lädt das Museum für Gießen zu einer einstündigen Führung durch die Sonderausstellung „Von Barrikaden und Parlamenten. Wilhelm Liebknechts Ideen für die Demokratie“ im Museum für Gießen.
Museumsleitung: Katharina Weick-Joch Kuratorinnen: Linda Heintze und Laura Grimm Texte und Lektorat: Laura Grimm, Linda Heintze, Katharina Weick-Joch Raumgestaltung und Grafik: Studio SUED Medienproduktion: Laura Grimm, Jean-Noël Lenhard Foliendruck und Werbemittel: Postermaxx Museumsteam: Mario Jorge Alves, Jana Bille, Amelie Fiedler, Andreas Götz, Laura Grimm, Anastasia Heller, Jean-Noël Lenhard, Linn Mertgen, Johanna Munzel, Julia Schopferer, Michael Simon, Katharina Weick-Joch, Lara Wichterle Aufsichtsdienst: Verein Ehrenamt e.V.
Leihgeber*innen und lizenzgebende Einrichtungen: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig | Stadtarchiv Gießen | Friedrich-Ebert-Stiftung / Archiv der sozialen Demokratie | International Institute of Social History (IISH), Amsterdam | Bundesarchiv | Universitätsarchiv Gießen / Bildarchiv Universität Gießen | Museum der Stadt Butzbach / Stadtarchiv Butzbach | Hessisches Staatsarchiv Darmstadt | Stadtarchiv Darmstadt | Deutsches Historisches Museum / bpk-Bildagentur | Hans Jürgen Below / Corps Hasso-Nassovia in Marburg | Gothaer Tivoli
Unterstützer*innen: Bettina Brockmeyer, Professorin für Neuere und Neueste Geschichte, und Studierende des Seminars „Demokratie made in Gießen: Wilhelm Liebknecht“, Justus-Liebig-Universität Gießen; Benjamin Grimm-Lebsanft; Elisabeth Harder, Museumsleitung Museum Butzbach; Christian Heuer, Professor für Didaktik der Geschichte, Justus-Liebig-Universität Gießen; Ben Janssen, Schauspieler und Sprecher; Stefan Neubacher und das Liebknecht200-Team; Christian Pöpken, Leiter Stadtarchiv Gießen; Volker Seidler, CreaTonstudio; Stadttheater Gießen
Hinweis zur Barrierefreiheit
Die Räumlichkeiten der Kongresshalle sind weitgehend rollstuhlgerecht. Aufgrund baulicher Gegebenheiten bestehen jedoch vereinzelt Barrieren, für die wir im direkten Kontakt Lösungen finden werden.
Umfassende, insbesondere künstlerische Barrierefreiheitsmaßnahmen können wir im Rahmen unserer vorhandenen personellen und finanziellen Kapazitäten nicht anbieten. Wir bemühen uns dennoch, im direkten Austausch individuelle Lösungen zu finden – etwa durch einen frühzeitigen Zugang zu Veranstaltungen oder Flüsterübersetzungen.
Wir bitten Besucher*innen, die auf Barrierefreiheitsmaßnahmen angewiesen sind, uns zu kontaktieren. Gemeinsam prüfen wir die jeweiligen Möglichkeiten und bemühen uns sehr, eine Teilnahme zu ermöglichen: