Mit zwei Veranstaltungen erinnern wir in Marburg an Wilhelm Liebknecht (1826-1900). Er wurde vor 200 Jahren in Gießen geboren und studierte 1846/47 in Marburg Philologie und Philosophie; gleichzeitig erlernte er ein Handwerk (Büchsenmacher). In direktem und indirektem Kontakt mit Vertretern des Vormärz (Sylvester Jordan, Karl Theodor Bayrhoffer, Bruno Hildebrand, Leopold Eichelberg u.a.) schärften sich hier seine demokratischen, republikanischen und sozialistischen Vorstellungen. 1848 nahm Liebknecht am republikanischen Aufstand in Baden teil. Nach dessen Niederwerfung ging er in die Schweiz (er wurde Präsident des Genfer Arbeitervereins) und nach London, wo er engen Kontakt zu Marx und Engels hatte. 1862 kehrte er nach Deutschland zurück und wirkte in der Arbeiterbildung für Männer und Frauen und in der Arbeiterbewegung. Zusammen mit August Bebel leitete er den Aufbau der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (Gründung der SBAP in Eisenach 1869). Als Abgeordneter des Norddeutschen Reichstags (1867-1871) und Internationalist lehnte er die Kriegskredite im Deutsch-Französischen Krieg (1870/1871) ab. Er wurde als „Hochverräter“ vor Gericht gestellt und zu zweijähriger Festungshaft verurteilt. Als Redakteur und Organisator hatte Liebknecht auch unter dem Sozialistengesetz (1878-1890) großen Anteil am weiteren Aufbau der Sozialdemokratie und an Aktionen gegen die wachsende Militarisierung und Kriegsgefahr. Der Gießener Anzeiger vom 7. Juni 1893 berichtete über eine Rede Liebknechts im Café Leip, dass er sich vehement gegen den in Oberhessen grassierenden Antisemitismus ausgesprochen hat: „Es sei ungerecht, die Juden für das Zurückgehen des Bürger- und Bauernstandes verantwortlich zu machen, dieses sei vielmehr eine Folge des Kapitalismus.“ Am 12. August 1900 gaben ihm 150.000 Berliner Arbeiter das letzte Geleit.
Kooperationsveranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung Hessen und Kulturhorizonte e.V.
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